Arbeitsplatzgestaltung

Neben den anderen bereits behandelten Themen finden sich bei der Ausgestaltung eines Arbeitsplatz sehr viele Aspekte, bei denen die Klimabelastung oft ohne großen Aufwand erheblich verbessert werden kann. Ob am Schreibtisch zu Hause, in der Geschäftsstelle des Jugendverbands, im Internetcafé des Jugendzentrums oder wo auch immer ‫ Arbeitsplätze werden fast überall gebraucht und sie werden mit vielen unterschiedlichen Dingen und Materialien ausgestattet, die alle unterschiedlich starke Klimaauswirkungen haben. Wir schauen hier auf die wichtigsten und am leichtesten zu verändernden Aspekte, bei denen du - zu Hause oder woanders - auch tatsächlich Veränderungsmöglichkeiten hast. Dabei spielen vor allem Verbrauchsmaterialien wie Papier, Stifte, Computer-Hardware oder auch Strom eine herausragende Rolle. Sicherlich ist es auch sinnvoll, die Räume vernünftig zu renovieren und so sehr viel weniger Heizen zu müssen, was wiederum neben den günstigeren Nebenkosten auch ökologisch sehr wichtig ist: der größte Beitrag zum Klimaschutz  ist nämlich das Energiesparen! Denn nur eine sparsame und effektive Energieverwendung macht es überhaupt erst möglich, die notwendigen Klimaziele zu erreichen. Aber nun der Reihe nach, wir beginnen mit den Verbrauchsmaterialien: 

klimafreundliche Verbrauchsmaterialien verwenden

Verbrauchsmaterialien sind alle Materialien, die nicht zur ewigen Verwendung angeschafft werden, sondern in der Regel einmalig genutzt und anschließend entsorgt und erneut angeschafft werden. Wie du dir sicherlich bereits denken kannst, ist es aus Umweltgründen sinnvoll, bei diesen Materialien wie Stifte, Papier, Karteikarten, Klebebänder oder was auch immer, darauf zu achten, dass sie möglichst wenig klimaschädlich sind und wo möglich recycelt werden können. Zu einigen Materialien findest du hier ausführlichere Informationen. 

Papier 

Papier ist eins der problematischsten Verbrauchsmaterialien für das Klima, weil es extrem viel genutzt wird und zur Herstellung dieser riesigen Mengen Papier sehr viel Holz gebraucht wird. Laut Papiernetz, einer Initiative größerer Unternehmen zur Papiereinsparung lag der Tages-Pro-Kopf-Verbrauch von Papier 2004 in Deutschland bei 640g ‫ das entspricht in etwa einem Harry-Potter-Band. Da dies mehr ist, als der heimische Wald an Holz bietet und zudem Importholz oft billiger ist, wird immer noch ein Großteil des Holzbedarfs aus Raubbau an den letzten Urwäldern der Erde gedeckt. Wertvolle Ökosysteme und viele Tier- und Pflanzenarten gehen unwiederbringlich verloren.
Daher solltest du versuchen, den Papierverbrauch zu reduzieren, Papier doppelseitig beschreiben und Recycling-Papier verwenden. Solltest du einmal auf Frischfaserpapier angewiesen sein, kannst du auf das FSC-Siegel achten, das die Herkunft des Holzes aus nachhaltiger Holzwirtschaft kennzeichnet und mittlerweile in vielen Produkten auffindbar ist. Die Verwendung von FSC-zertifiziertem Papier kann beispielsweise beim Druck von Flyern und Plakaten eine Mindestanforderung bei der Auswahl einer Druckerei sein.
Trotzdem ist Recycling-Papier noch besser! Denn heute kann dieses technisch so hergestellt werden, dass es in vielen Fällen nicht mehr als solches erkennbar ist – die Zeiten des grauen Ökostyle-Recycling-Papiers sind vorbei!
Ökologisch ist es deshalb besser, weil die Papierfasern erst nach dem sechsten Recycling-Vorgang so stark abgenutzt sind, dass sie durch einen Anteil an frischem Recyclingpapier oder Frischfasern ersetzt werden müssen. Außerdem ist die Produktion wesentlich umweltverträglicher als die von Frischfaser-Papier, da weder Urwälder abgeholzt, noch Zellstoffe schadstoff- und energiereich gewonnen werden müssen. Auch Wasserverbrauch und -belastung sind deutlich geringer.
Um beim Einkauf sicherzugehen, dass du Recyclingpapier kaufst, kannst du auf den »Blauen Engel« achten: dies ist ein Siegel, das für unterschiedliche Produktarten ausgestellt wird und jeweils mit einem Zusatz versehen ist. Bei Papier beispielsweise wird der Halbsatz »weil aus 100% Altpapier« ergänzt und kennzeichnet entsprechend Recyclingpapier. 

Schul- und Bürobedarf

Bei vielen Produkten des Schul- und Bürobedarfs gibt es Auswahl zwischen welchen mit besserer und welchen mit schlechterer Klimabilanz. So gibt es Kugelschreiber in einer Altpapierfassung oder aus Holz ebenso wie Stifte aus Plastik, die bei der Herstellung viel Energie und außerdem Rohstoffe wie Öl brauchen. Eddings und Flipchart-Marker gibt es in nachfüllbaren Ausführungen auf Wasserbasis, Sammelmappen gibt es aus Plastik, aber auch aus Karton und so weiter. Zudem empfiehlt es sich meist, hochwertige Produkte zu kaufen, da diese oft eine wesentlich längere Lebenszeit haben als billige Materialien, wodurch sich der höhere Kaufpreis wieder rechnet und dies außerdem ökologisch sinnvoller ist (weniger Müll, niedrigere Produktionskosten und geringerer Energiebedarf). 
Ökologische Büromaterialien gibt es mittlerweile in vielen Geschäften. Ein Versand, der sich auf ökologische Büromaterialien spezialisiert hat, ist memo: www.memo.de

Worauf du noch achten kannst

Nicht nur hier, auch in allen anderen Räumen gibt es Einsparpotentiale. So kannst du biologisch abbaubare Reinigungsmittel verwenden (oder die Verwendung solcher vorschlagen), Toilettenpapier und Küchentücher sollten  aus Altpapier sein. Zum Hände abtrocknen sind echte Handtücher, die regelmäßig gewaschen werden sinnvoller als Papierhandtücher.
Außerdem ist es sinnvoll, den Müll in allen Zimmern zu trennen und entsprechend zu entsorgen. Die Mülltrennbedingungen sind von Ort zu Ort unterschiedlich, weitere Infos dazu bekommst du vom örtlichen Entsorgungsbetrieb. Wichtig ist natürlich auch, schon beim Einkauf darauf achten, Produkte mit wenig Verpackung zu kaufen.
Aus Umweltgründen ebenfalls sinnvoll ist das Wassersparen. Beispielsweise kann der tägliche Pro-Kopf-Wasserverbrauch auf dem WC von 35 Litern auf 16 Liter reduziert werden, wenn wassersparend gehandelt und moderne Spartechnik eingesetzt wird.

Computer, Drucker, Handy & Co.

Neben den Verbrauchsmaterialien spielen technische Geräte eine große Rolle bei der Klimabelastung durch Büros und andere Arbeitsplätze. Denn fast überall stehen heute Computer, Drucker, Kopierer, Bildschirme, Videoprojektoren etc. Laut Umweltbundesamt betrug der Anteil der Informations- und Kommunikationstechnik am gesamten Stromverbrauch in Deutschland 2007 schon 10%.
Die Tendenz geht weiter nach oben, da immer mehr technische Geräte zum Standard werden, immer größere Teile der Bevölkerung diesem Trend folgen und immer mehr Firmen immer mehr Arbeitsschritte automatisieren und digitalisieren. 
Auch für viele Jugendliche sind Handy, Notebook und MP3-Player nicht mehr wegzudenken. Bei der Anschaffung solcher Geräte kannst du auf den Stromverbrauch achten, denn das ist nicht nur aus Klimagründen ein wichtiger Aspekt beim Neukauf. Besonders für mobile Geräte wie Handys oder Notebooks bedeutet ein niedriger Stromverbrauch auch eine höhere Akkulaufzeit. Und es fallen geringere Stromkosten an, was sich für ein Jugendverbandsbüro oder ein Jugendzentrum durchaus bemerkbar macht. Doch zum Strom später mehr.
Zunächst wollen wir die Herstellung und Entsorgung technischer Geräte in den Blick nehmen, die viele Schwierigkeiten mit sich bringen, wie du in den folgenden Absätzen lesen kannst.

Herstellung technischer Geräte

Viele Menschen achten bei der Anschaffung technischer Geräte nur auf Funktionalität und auf den Preis, wohingegen gesundheitliche und ökologische Kriterien oft keine Rolle spielen. Das ist oft problematisch, denn beispielsweise setzen viele Drucker und Kopierer bei Betrieb flüchtige organische Substanzen wie Benzol, aber auch Staub und Ozon frei. Auch Kunststoffgehäuse enthalten mitunter halogenorganische Verbindungen oder andere gesundheitsgefährdende Stoffe. Beim Kauf kannst du auch hier darauf achten, ob die Geräte einen »blauen Umweltengel« tragen, da sie besonders niedrige Emissionswerte haben. Auch im Bezug auf Energieverbrauch, Geräuschemission und Recyclingfähigkeit erfüllen diese Geräte hohe Ansprüche.

Was solltest du beim Kauf von technischen Geräten 
beachten?

Da die Herstellung von Computern & Co. derart energie- und ressourcenaufwändig ist, sollten die Geräte möglichst lange genutzt werden. Beim Neukauf solltest du überlegen, ob eine Nachrüstung eines bestehenden Rechners nicht möglich ist, denn so können die Rohstoffe länger genutzt werden. Die Leistungsfähigkeit von Computern kann oft auch mit neuen Teilen (mehr Arbeitsspeicher, größere Festplatte etc.) erhöht werden, ohne alles andere wegzuwerfen. 
Solltest du dich trotzdem für einen Neukauf entscheiden, achte darauf, was du wirklich benötigst. Gerade fertig installierte Computer, wie sie oft im Handel angeboten werden, sind für viele Nutzer-innen in ihrer Leistung überdimensioniert und verfügen über Elemente, die oft gar nicht genutzt werden, aber einen hohen Energieaufwand bei der Produktion und im Betrieb haben.
In der Regel arbeiten Notebooks und Netbooks effizienter als Desktop PC`s, da sie für den mobilen Gebrauch konzipiert sind und daher ein geringer Stromverbrauch zu den Leistungsmerkmalen zählt.

Was solltest  du bei der Entsorgung beachten?

Wenn du ein neues Gerät kaufst, denke daran, dein altes Gerät zu verkaufen, zu tauschen oder zu verschenken. Gerade weil die Rohstoffe so wertvoll und die Produktion so energieintensiv sind, sollten die Geräte möglichst lange genutzt werden. Oft können Schulen oder andere Einrichtungen Sachspenden gut gebrauchen und sie weiter nutzen. Wenn du keinen Nutzen für deine Altgeräte findest, entsorge sie  bei der städtischen Abfallentsorgung, denn so können die Geräte umweltgerecht entsorgt und viele Teile recycelt werden.
Es gibt auch Organisationen, die alte Geräte einsammeln und sie hier Jugendzentren oder bedürftigen Menschen zur Verfügung stellen, die sich sonst keine Computer leisten könnten. Andere Organisationen transportieren alte Computer in afrikanische Länder, um sie dort der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen (z.B. www.linux4afrika.de). Wenn du solch eine Organisation suchst, solltest du dich gut über sie informieren. Es gibt auch zahlreiche »Müllhändler-innen«, die Elektroschrott illegal nach Afrika verschiffen und mit dem Müll Geld verdienen. Dort wird er oft von Kindern ohne Schutzmaßnahmen und Schutzkleidung sortiert, die sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.

Wie kannst du deinen Stromverbrauch bei technischen Geräten senken?

Der Stromverbrauch von Computern und anderen Geräten ist ein Punkt, an dem ohne viel Aufwand viel erreicht werden kann und alle etwas beitragen können. Denn hier wird viel Energie ohne Nutzen verschwendet. Seit einigen Jahren wird diese Problematik bekannter und zunehmend ernster genommen, mittlerweile haben auch viele Firmen das Thema Umwelt und Stromverbrauch für sich erkannt und bieten klimaschonendere Geräte an. Die Diskussion um Möglichkeiten von ökologischeren Informations- und Kommunikationstechniken wird unter dem Begriff Green-IT (Grüne Informationstechnik) geführt. 2008 gab es erstmals auf der Computermesse Cebit einen Bereich, der sich explizit mit diesem Thema beschäftigt. Bei green-IT geht es aber nicht nur um das reine Stromsparen, sondern es sollen auch andere Einflussfaktoren auf das Klima wie Herstellung, Entsorgung und  technische Möglichkeiten zur Verringerung von CO2-Emissionen berücksichtigt werden.
Doch was kannst du selbst tun? Du solltest den Monitor des Computers immer ausschalten, wenn du ihn nicht brauchst. Bildschirmschoner mit vielen grafischen Elementen verbrauchen viel Energie. Schließe deinen Computer an eine schaltbare Steckerleiste an, damit du den Strom abschalten kannst, wenn der Rechner aus ist. Viele Geräte (auch Drucker, Scanner,…) haben keinen richtigen Aus-Knopf und verbrauchen Strom, auch wenn sie scheinbar ausgeschaltet sind. 
Es gibt auch Steckdosenleisten mit »Master und Slave«- Funktion. Diese besitzen eine Automatik, welche die Geräte an den »Slave«-Steckdosen nur mit Strom versorgen, wenn das Gerät an der »Master«-Steckdose eingeschaltet ist. So werden Drucker, Monitor, externe Festplatte und andere Geräte nur mit Strom versorgt, wenn auch dein Computer an ist. 
Ladegeräte für Handys, MP3-Player etc. solltest du nach dem Laden aus der Steckdose nehmen, da auch sie oft weiter Strom verbrauchen, wenn kein Gerät angeschlossen ist. 

Energieverbrauch im Internet

Mit der immer größeren Nutzung des Internets steigt auch ständig der Energiebedarf im Netz. So ist das Internet heute ein wahrer Klimakiller - eine einzige Google-Nachfrage verbraucht soviel Strom wie eine 4-Watt-Energiesparlampe pro Stunde, so das Umweltbundesamt. Doch nicht nur google-Suchen, sondern alle Seitenaufrufe verursachen Stromkosten »auf der anderen Seite im Internet«. Das liegt daran, dass alle Internetseiten auf Servern liegen, die rund um die Uhr laufen müssen, damit die Seiten jederzeit erreichbar sind. Die Server stehen meist in riesigen Rechenzentren, die einen enormen Stromverbrauch haben. Zudem produzieren sie jede Menge Wärme, so dass die Räume gekühlt werden müssen, in denen sie gelagert werden, wofür ebenfalls sehr viel Energie verbraucht wird. Neben den Klimafolgen sind auch die Kosten für die Rechenzentren sehr hoch, so dass die IT-Branche an diesem Thema zunehmend aus Eigeninteresse arbeitet. Einer der größten Webhosting-Anbieter Strato erhielt 2007 den Berliner Umweltpreis des BUND, weil Strato seine Energiebilanz beträchtlich verbesserte und seine Rechenzentren seit 2008 komplett mit CO2-frei erzeugtem Regenerativstrom versorgt.
Dies kann auch für dich ein Ansatzpunkt zum selbst aktiv werden sein. Wenn dein Verband oder deine Gruppe eine Homepage betreibt, fragt nach, wo sie gehostet wird und informiere dich über den Anbieter und seine Klimaanstrengungen. Wenn er dich nicht überzeugen kann, wechsele deinen Betreiber. Das gleiche gilt für Emailadressen: auch hier kannst du nachfragen, ob dein Anbieter ökologische Leitlinien verfolgt.
Stromintensiv sind besonders Suchanfragen bei Suchmaschinen, da diese massenweise Datenbanken nach den Suchbegriffen durchsuchen. Es gibt alternative Suchmaschinen, die  ökologische Maßnahmen ergreifen. So lässt sich mit der auf yahoo basierten Suchmaschine »forestle.org« für jede Suche 0,1qm Regenwald retten, znout.org basiert auf der google-Suche und gleicht den CO2-Ausstoss durch den Kauf von Zertifikaten für Erneuerbare Energien aus.